Es gibt keine Zahl, die für alle passt: Um zu wissen, wie viele Kalorien du zum Abnehmen essen solltest, berechne deinen eigenen Bedarf (Ruheumsatz × Aktivitätslevel) und zieh etwa 500 kcal pro Tag ab. Beobachte dann ein paar Wochen dein Gewicht und passe an: 0,5–1 kg pro Woche sind realistisch und gut durchzuhalten.
Warum es keine Zahl für alle gibt
Wie viele Kalorien du zum Abnehmen essen solltest, hängt davon ab, wie viele du verbrauchst. Als grobe Orientierung heißt es oft: etwa 2000 kcal am Tag für Frauen und 2500 für Männer. Der tatsächliche Wert hängt aber von Alter, Gewicht, Größe und Bewegung ab1.
Deshalb funktionieren die „festen“ Zahlen aus dem Netz (1200, 1500, 1800) bei manchen Menschen und bei anderen nicht. Sinnvoller ist ein anderer Weg: deinen Bedarf schätzen, einen moderaten Teil abziehen und dann beobachten, wie dein Körper reagiert.
Kalorienbedarf zum Abnehmen berechnen: 4 Schritte
1Schätze deinen Ruheumsatz
Der Ruheumsatz ist die Energie, die dein Körper braucht, um zu funktionieren, ohne Bewegung. Eine der bekanntesten Formeln ist die von Mifflin-St Jeor2:
- Männer: 10 × Gewicht (kg) + 6,25 × Größe (cm) − 5 × Alter + 5
- Frauen: 10 × Gewicht (kg) + 6,25 × Größe (cm) − 5 × Alter − 161
Das ist eine Schätzung: Zwei Menschen mit denselben Werten können einen etwas anderen Umsatz haben. Kein Problem, denn genau dafür ist Schritt 4 da.
2Multipliziere mit deinem Aktivitätslevel
Jetzt kommt die Bewegung des Tages dazu: Du multiplizierst mit dem PAL-Wert (Physical Activity Level). Übliche Werte reichen von 1,4 bei sitzender Lebensweise bis 2,5 bei sehr aktiven Menschen; 1,6 beschreibt jemanden, der überwiegend sitzend arbeitet und mindestens einmal pro Woche moderat aktiv ist3.
| Aktivitätslevel (Richtwert) | Beispiel | PAL-Wert |
|---|---|---|
| Sitzend | Bürojob, wenig Bewegung | 1,4 |
| Wenig aktiv | Bürojob, einmal pro Woche Spaziergang oder Training | 1,6 |
| Aktiv | Arbeit im Stehen oder fast täglich Bewegung | 1,8 |
| Sehr aktiv | Körperliche Arbeit oder täglich intensiver Sport | 2,0–2,5 |
Das Ergebnis ist dein Erhaltungsbedarf: die Kalorienmenge, bei der dein Gewicht ungefähr gleich bleibt.
Probier das: Wenn du zwischen zwei Stufen schwankst, nimm die niedrigere. Die Kontrolle in Schritt 4 zeigt dir, ob du sie erhöhen solltest.
3Zieh ein moderates Defizit ab
Um abzunehmen, musst du etwas weniger essen, als du verbrauchst. In Programmen zur Gewichtsreduktion wird meist ein Defizit von 500–750 kcal pro Tag angestrebt4. Empfohlen wird ein Tempo von 0,5–1 kg pro Woche, damit das Abnehmen schrittweise passiert5.
In fachlich begleiteten Programmen für Menschen mit Übergewicht landet man oft bei 1200–1500 kcal für Frauen und 1500–1800 für Männer, immer angepasst an Gewicht und Aktivität4. Das sind Orientierungswerte, kein Minimum, das man erreichen muss: Diäten unter 800 kcal gehören nur in ärztliche Begleitung5.
4Beobachte dein Gewicht und passe an
Deine berechnete Zahl ist ein Startpunkt. Wiege dich ein paarmal pro Woche zur gleichen Uhrzeit und achte auf den Trend über 2–4 Wochen, nicht auf einzelne Tage:
- du nimmst etwa 0,5–1 kg pro Woche ab: weiter so;
- das Gewicht steht seit 3–4 Wochen still: Portionen etwas verkleinern oder mehr bewegen;
- du nimmst viele Wochen lang mehr als 1 kg pro Woche ab: du isst wahrscheinlich zu wenig, leg etwas dazu.
Zwei Rechenbeispiele
So sieht das mit echten Zahlen aus. Die Ergebnisse sind gerundet.
| Person A | Person B | |
|---|---|---|
| Daten | Frau, 35 Jahre, 165 cm, 70 kg | Mann, 40 Jahre, 180 cm, 85 kg |
| Ruheumsatz | etwa 1400 kcal | etwa 1780 kcal |
| PAL-Wert | 1,6 (Bürojob, Spaziergänge) | 1,6 (Bürojob, Fußball am Wochenende) |
| Erhaltungsbedarf | etwa 2230 kcal | etwa 2850 kcal |
| Mit 500 kcal Defizit | etwa 1730 kcal | etwa 2350 kcal |
Wie du siehst, liegt das Ergebnis weit über den klassischen 1200 kcal: Für viele Menschen wäre so wenig zu essen ein zu großer Schnitt, der sich kaum durchhalten lässt.
Warum das Abnehmen nach ein paar Wochen langsamer wird
Eine verbreitete Faustregel sagt: 500 kcal Defizit pro Tag, eine Woche lang, ergeben ein halbes Kilo weniger. Diese Rechnung ist statisch: Sie übersieht, dass sich der Körper anpasst. Sinkt das Gewicht, sinken auch der Ruheumsatz und die Energie, die du für Bewegung verbrauchst6.
In der Praxis wird dein anfängliches Defizit also von selbst kleiner, und das Abnehmen verlangsamt sich. Das heißt nicht, dass du etwas falsch machst:
- berechne deinen Bedarf neu, sobald du ein paar Kilo verloren hast, mit deinem neuen Gewicht;
- bleib in Bewegung oder bewege dich etwas mehr, das gleicht einen Teil aus;
- jag keinen immer größeren Defiziten hinterher: Eine kleine Anpassung ist besser.
Nicht nur wie viele, sondern welche Kalorien
Bei gleicher Kalorienzahl machen manche Mahlzeiten viel länger satt als andere. Damit das Defizit klappt, ohne ständig Hunger zu haben:
- Eiweiß in jeder Mahlzeit: Es sättigt länger und hilft, beim Abnehmen die Muskulatur zu erhalten7. Hülsenfrüchte, Joghurt, Quark, Eier und Tofu sind praktische Optionen;
- Gemüse und Vollkorn: Sie füllen den Teller mit weniger Kalorien;
- flüssige Kalorien im Blick behalten: Limo, Saft und Alkohol summieren sich schnell und machen kaum satt.

Ein Beispieltag mit moderatem Defizit: Haferbrei mit Obst zum Frühstück, Vollkornnudeln mit Kichererbsen zum Mittagessen, Joghurt mit Obst als Snack, Tofu mit Gemüse und Kartoffeln zum Abendessen. Das ist kein Plan zum Abschreiben: Die Portionen hängen von deinem Bedarf ab. Mehr praktische Ideen findest du im Ratgeber Abnehmen ohne Diät.
So weißt du, wie viele Kalorien du wirklich isst
Den Bedarf zu berechnen ist die halbe Arbeit, die andere Hälfte ist zu wissen, wie viel du heute isst. Studien zeigen immer wieder einen Zusammenhang zwischen dem Protokollieren der Mahlzeiten und dem Abnehmen8. Du musst nicht alles abwiegen: Schon eine Schätzung, regelmäßig gemacht, zeigt dir, wo die Kalorien landen.
Mit eatamame legst du dein Ziel fest und bekommst einen persönlichen Plan mit dem voraussichtlichen Datum, an dem du es erreichst. Dann reicht ein Foto oder eine Beschreibung der Mahlzeit, auch per Sprache, um geschätzte Kalorien und Makros zu sehen. Wie du deine Teller gut fotografierst, erfährst du im Ratgeber Kalorien zählen mit Foto.
Die häufigsten Fehler
- Die Zahl von anderen übernehmen: Der Bedarf von Menschen in deinem Umfeld kann ganz anders sein als deiner. Auch die DGE betont, dass die Richtwerte bei Übergewicht und wenig Bewegung individuell angepasst werden müssen und dass das aktuelle Körpergewicht der entscheidende Maßstab ist9.
- Zu viel streichen: Ein großes Defizit ist schwerer durchzuhalten, und sehr kalorienarme Diäten (unter 800 kcal) gehören nur in ärztliche Begleitung5.
- Sport doppelt zählen: Steckt er schon in deinem PAL-Wert, rechne ihn nicht noch einmal zu den Tageskalorien dazu.
- Dressings, Getränke und Snacks zwischendurch vergessen: Das sind die Kalorien, die am häufigsten durchrutschen.
- Nach wenigen Tagen urteilen: Das Gewicht schwankt durch Wasser und Salz. Entscheidend ist der Trend über mehrere Wochen.
Häufige Fragen
Nimmt man mit 1200 Kalorien am Tag ab?
+
Für viele Menschen sind das zu wenig: 1200 kcal ist ein Wert aus manchen Programmen, die von Fachleuten begleitet werden, kein Ziel für alle. Besser ist es, von deinem eigenen Bedarf auszugehen und einen moderaten Teil abzuziehen.
Wie viel nimmt man mit 500 Kalorien Defizit ab?
+
Rechnerisch etwa ein halbes Kilo pro Woche, in der Praxis wird das Tempo aber mit der Zeit langsamer, weil der Körper weniger Energie verbraucht, je mehr das Gewicht sinkt. Deshalb lohnt es sich, ab und zu neu zu rechnen.
Muss ich die Kalorien vom Sport wieder essen?
+
Wenn du dein Aktivitätslevel schon in die Berechnung eingesetzt hast, sind diese Kalorien bereits enthalten. Zählst du sie noch einmal dazu, ist das Defizit schnell weg.
Was passiert, wenn ich zu wenig esse?
+
Hunger, Müdigkeit und die Lust, alles hinzuschmeißen, kommen schneller, und ein Teil des verlorenen Gewichts kann Muskulatur statt Fett sein. Ein moderates Defizit lässt sich leichter durchhalten und schützt die Muskeln besser.
Muss ich für immer Kalorien zählen?
+
Nein. Ein paar Wochen zu zählen hilft vor allem, Portionsgrößen kennenzulernen und deine Gewohnheiten zu sehen. Danach reicht vielen eine leichtere Kontrolle, zum Beispiel die Mahlzeiten zu fotografieren.
Quellen
- NHS – Understanding calories
- Mifflin MD et al. – A new predictive equation for resting energy expenditure in healthy individuals, American Journal of Clinical Nutrition (1990)
- NIDDK (National Institutes of Health) – Body Weight Planner
- Jensen MD et al. – 2013 AHA/ACC/TOS guideline for the management of overweight and obesity in adults, Circulation (2014)
- NHS – Obesity: treatment
- Hall KD et al. – Quantification of the effect of energy imbalance on bodyweight, The Lancet (2011)
- Leidy HJ et al. – The role of protein in weight loss and maintenance, American Journal of Clinical Nutrition (2015)
- Burke LE et al. – Self-monitoring in weight loss: a systematic review, Journal of the American Dietetic Association (2011)
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) – Referenzwerte: Energie
Dieser Ratgeber dient nur der Information und ersetzt keine Beratung durch Ärztinnen, Ärzte oder Ernährungsfachkräfte. Bei Erkrankungen, in der Schwangerschaft oder bei besonderen Bedürfnissen wende dich an eine Fachperson.
Team eatamame
